40:40. Einstand. Früher gab es an dieser Stelle meist zwei Möglichkeiten: endlose Vorteilswechsel oder sofort einen Golden Point. Seit 2026 steht im Padel eine dritte Variante im Mittelpunkt: der Star Point.
Das neue System lässt beiden Teams zunächst zwei Chancen, ein Spiel mit Vorteil zu beenden. Gelingt das keinem Team, entscheidet ein letzter Ballwechsel. Damit verbindet der Star Point die Spannung der klassischen Vorteilregel mit einem festen Ende.
Was ist der Star Point?
Der Star Point ist eine neue Zählweise für Spiele, die 40:40 erreichen. Bis dahin bleibt alles wie gewohnt: 15, 30, 40, Einstand.
Ab dem ersten Einstand läuft das Spiel in drei Stufen:
- Erster Vorteil: Das Team, das den nächsten Punkt gewinnt, hat Vorteil. Gewinnt es auch den folgenden Ballwechsel, gewinnt es das Spiel. Verliert es ihn, geht es zurück zu Einstand.
- Zweiter Vorteil: Wieder erhält das Team nach dem nächsten Punkt Vorteil. Bestätigt es diesen Vorteil, ist das Spiel beendet. Verliert es den Folgepunkt, kommt es zum Star Point.
- Star Point: Ein einziger Ballwechsel entscheidet das komplette Spiel.
Beim entscheidenden Star Point wählt das rückschlagende Team, ob es den Aufschlag auf der rechten oder linken Seite annehmen möchte. Die Rückschläger dürfen dafür ihre Positionen nicht tauschen.
Die International Padel Federation (FIP) hat das System Ende 2025 beschlossen und zur Saison 2026 eingeführt.
Ein Beispiel Punkt für Punkt
Team A und Team B stehen bei 40:40:
- Team A gewinnt den nächsten Punkt: Vorteil A.
- Team B wehrt den Vorteil ab: zurück zu Einstand.
- Team B gewinnt den nächsten Punkt: Vorteil B.
- Team A wehrt auch diesen Vorteil ab: Star Point.
- Team B wählt die Rückschlagseite.
- Gewinner des nächsten Ballwechsels gewinnt das Spiel.
Wichtig: Ein Team kann das Spiel weiterhin vor dem Star Point beenden. Dafür muss es nach einem der beiden Einstände zwei Punkte hintereinander gewinnen.
Vorteil, Golden Point und Star Point im Vergleich
| System | Ablauf bei 40:40 | Ende des Spiels |
|---|---|---|
| Klassische Vorteilregel | Unbegrenzt Vorteil und Einstand | Erst bei zwei Punkten Vorsprung |
| Golden Point | Sofort ein Entscheidungspunkt | Nächster Ballwechsel entscheidet |
| Star Point | Zwei Vorteilsphasen, danach Entscheidungspunkt | Spätestens der Star Point entscheidet |
Der Star Point liegt damit genau zwischen den beiden bekannten Systemen. Er verhindert sehr lange Spiele, nimmt den Teams aber nicht sofort jede Chance auf einen klassischen Vorteil.
Warum wurde das System eingeführt?
Padel-Matches können durch lange Einstandspiele unberechenbar werden. Das betrifft nicht nur Sendezeiten und Turnierpläne, sondern auch die Belastung der Spieler.
Die FIP nennt drei zentrale Ziele:
- planbarere Spieldauer
- geringere körperliche Belastung
- mehr Spannung für Zuschauer und Übertragungen
Beschlossen wurde die neue Regel am 28. November 2025 einstimmig durch die FIP-Generalversammlung. Vorher wurden Spieler, Trainer, Veranstalter, Medienpartner und weitere Beteiligte konsultiert.
Der Kompromiss ist deutlich: Tradition bleibt sichtbar, aber kein Spiel kann sich über eine lange Serie von Einstand und Vorteil ziehen.
Wo gilt der Star Point seit 2026?
International kommt das System seit Saisonbeginn 2026 in mehreren wichtigen Wettbewerben zum Einsatz:
- Premier Padel
- CUPRA FIP Tour
- FIP Promises
- FIP Beyond
Seine internationale Premiere hatte der Star Point beim FIP Bronze Melbourne im Januar 2026. Bei Premier Padel startete er mit dem Riyadh P1 im Februar. Details zum offiziellen Ablauf stehen auch im FIP-Beyond-Regelwerk 2026.
Gilt der Star Point auch bei DPV-Turnieren in Deutschland?
Ja, aber nicht in jeder Kategorie.
In der German Padel Series gilt während der Saison 2026/27:
- GPS 50 bis GPS 500: Golden Point direkt beim ersten Einstand
- GPS 750 bis GPS 1500: Star Point nach zwei Vorteilsphasen
Das steht in der aktuellen DPV-Rahmenausschreibung für GPS-Turniere 2026/27.
Auch im deutschen Ligabetrieb wird unterschieden:
- 1. Bundesliga: Star Point
- 2. Bundesliga, Regionalliga und Oberliga: Golden Point
Maßgeblich bleibt immer die Ausschreibung des konkreten Wettbewerbs. Prüfe sie vor dem Match, statt dich allein auf die zuletzt gespielte Turnierkategorie zu verlassen.
So verändert der Star Point die Taktik
Der Star Point ist keine reine Verwaltungsregel. Er verändert Entscheidungen auf dem Court.
Rückschlagseite bewusst wählen
Das returnierende Team bestimmt beim Star Point die Aufschlagseite. Meist nimmt der stärkere Rückschläger den Ball. Doch auch der Aufschläger, die bevorzugte Vorhandseite und mögliche Bande-Glas-Kombinationen spielen eine Rolle.
Vorher klare Rollen festlegen
Besprecht vor dem Match:
- Wer returniert auf welcher Seite stabiler?
- Wer bleibt unter Druck ruhiger?
- Welche Aufschlagrichtung des Gegners bereitet euch Probleme?
- Welche Formation spielt ihr nach dem Return?
Unter Zeitdruck auf dem Court entsteht sonst schnell eine Diskussion, obwohl eigentlich ein klarer Plan nötig wäre.
Der zweite Vorteil wird zum Wendepunkt
Nach dem ersten abgewehrten Vorteil steigt der Druck deutlich. Wer den zweiten Vorteil bekommt, spielt um das Game. Wer ihn abwehrt, erzwingt den Star Point. Diese Phase belohnt sichere Aufschläge, kontrollierte Returns und geduldige erste Volleys stärker als riskante Winner-Versuche.
Was bedeutet die Regel für Hobbyspieler?
Im freien Match könnt ihr selbst entscheiden, welches System ihr verwendet. Der Star Point eignet sich besonders, wenn ihr:
- Spannung der Vorteilregel behalten wollt
- trotzdem eine planbare Buchungszeit braucht
- euch auf höhere GPS-Kategorien vorbereiten möchtet
- eine Alternative zum sofortigen Golden Point sucht
Vor dem ersten Aufschlag sollte feststehen, ob ihr Vorteil, Golden Point oder Star Point spielt. Eine kurze Absprache verhindert Diskussionen beim ersten 40:40.
Einen vollständigen Überblick über Aufschlag, Tiebreak und weitere Grundlagen findest du in unserem Padel-Starterguide zu Regeln und Zählweise.
Häufige Fragen zum Star Point
Ist der Star Point dasselbe wie der Golden Point?
Nein. Beim Golden Point entscheidet sofort der nächste Ballwechsel nach dem ersten Einstand. Beim Star Point werden vorher bis zu zwei Vorteilsphasen gespielt.
Wer entscheidet über die Aufschlagseite?
Das rückschlagende Team wählt beim Star Point die rechte oder linke Seite. Die Rückschläger dürfen dafür nicht die Position wechseln.
Wird bei jedem Padel-Turnier mit Star Point gespielt?
Nein. International und in Deutschland gelten unterschiedliche Vorgaben je Wettbewerb und Kategorie. Ausschreibung prüfen.
Gibt es nach dem Star Point noch einmal Vorteil?
Nein. Der Star Point ist der letzte Ballwechsel des Spiels. Sein Gewinner gewinnt das Game.
Fazit: Mehr Drama, aber mit festem Ende
Der Star Point ist weniger radikal als der Golden Point und deutlich planbarer als die klassische Vorteilregel. Zwei Vorteilsphasen lassen Raum für das gewohnte Tennisprinzip. Danach sorgt ein einziger Ballwechsel für die Entscheidung.
Für Zuschauer bringt das einen klaren Höhepunkt. Für Spieler bedeutet es: Rückschlagseite wählen, Plan festlegen, Druck aushalten. Genau deshalb kann der Star Point zum spannendsten Moment eines ganzen Matches werden.




